Märkte: Risiken und Chancen
Schwieriges Wirtschaftsumfeld bei steigenden Kosten
Die Absatzmärkte der IRLE-Gruppe gestalten sich in den letzten Jahren zunehmend schwieriger. Im Bereich Eisen und Stahl schließen sich die Kunden zu immer größeren Gebilden zusammen, deren Einkauf dann zentral durchgeführt wird. Dadurch kommt es, wenn wir als Lieferant berücksichtigt werden wollen, zu mehrjährigen Preisbindungen auf der Basis alter Preise, so dass Kostensteigerungen voll zu Lasten von IRLE gehen.
Wie problematisch diese Entwicklung ist, mögen folgende Zahlen verdeutlichen: Aufgrund preislich nicht mehr aufzufangenden Kostensteigerungen von Löhnen und Material sank von 1997 bis zum 30.06.2002 die Wertschöpfung im Verhältnis zu den Lohnkosten um 21%. Die Stromkosten stiegen von 2000 bis zum 30.06.2002 um 46%, die für Gas im gleichen Zeitraum um 43%.
Die Stundenlöhne stiegen um 9%. Im gleichen Zeitraum sind die Preise im Durchschnitt aller Kundengruppen um 2% gefallen. Diese Entwicklung ist nicht etwa gestoppt, denn aufgrund der neuen Lohnabschlüsse haben bereits die Einkaufsabteilungen einiger Großkonzerne weitere Absenkungen unserer Preise verlangt, ohne zu berücksichtigen, dass IRLE diesen Lohnsteigerungen in gleicher Weise ausgesetzt ist.
Die Gewerkschaftsseite macht es sich sehr leicht, wenn sie in der Diskussion um Lohnsteigerungen immer wieder auf Milliardengewinne sehr weniger großer Konzerne verweist. Im Mittelstand, zu dem wir gehören und der in Deutschland nach wie vor 80% der Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, werden solche Gewinne nicht – auch nicht verhältnismäßig – erzielt.
Das ist den Funktionären der Gewerkschaften, wie auch denen der Arbeitgeberverbände, die solchen Abschlüssen zustimmen, offensichtlich nicht zu vermitteln, weil sie selbst nicht an der Mittelstandsfront arbeiten.
Konzerne wie Daimler Chrysler, Siemens etc. bestimmen in den Arbeitgeberverbänden die Tarifpolitik und weichen den Ergebnissen selbst aus, indem neue Investitionen überwiegend im kostengünstigen Ausland getätigt werden. So entziehen sie sich unseren hohen Steuersätzen, unseren hohen Umweltauflagen und steigenden Energiekosten und unserem Gewirr von gesetzlichen Bestimmungen, die jedes Genehmigungsverfahren zum teuren Hindernislauf mit ungewissem Ausgang werden lassen.
Wir, im deutschen Mittelstand, können in diesem Umfeld nur überleben, wenn Mitarbeiter, Geschäftsleitung und Eigentümer zusammenrücken und die Chance ergreifen, endlich an einem Strang zu ziehen, d. h. möglichst viel Kapital im Unternehmen zu lassen, damit wir über zukunftsweisende Investitionen wettbewerbsfähig bleiben und die Arbeitsplätze erhalten können.Das bedeutet immer wieder neu die Überprüfung vorhandener Strukturen am Markt, das Aussortieren von Verlustbringern, den Kampf um Marktanteile und die Erschließung profitablerer Geschäftsfelder im Rahmen unserer Möglichkeiten.
Neben Kunden und Produktlinien muss auch das Entlohnungssystem auf den Prüfstand, um den Aufgaben der Zukunft gerecht werden zu können. Wenn wir – wie ständig in der Politik – Tabuzonen errichten, die vorgeblich nicht angetastet werden dürfen, dann werden wir letztendlich an unserer Unbeweglichkeit scheitern.
Wir können nicht, wie der Staat, ständig unsere Neuverschuldung erhöhen, um damit im Ergebnis nur noch Verluste zu finanzieren.
Ich wünsche uns bei der Lösung dieser Probleme die notwendige Durchhaltekraft, das notwendige Verständnis der Banken, die notwendige Einsicht aller Mitarbeiter und nicht zuletzt auch das notwendige Quäntchen Fortune.
GLÜCK AUF!
RA Rainer W. Schneider